HEADLINE
Eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit besteht darin, den Schritt von der Analyse der Gegenwart hin zur aktiven Gestaltung einer besseren Zukunft zu vollziehen. Kritik, Dekonstruktion und Widerstand gegen bestehende Verhältnisse sind notwendig – doch sie entfalten ihre transformative Kraft erst dann, wenn sie mit der Vorstellung und Erprobung gerechterer Alternativen verbunden werden. Ohne diese Perspektive droht Kritik zu einer reinen Verwaltung der Gegenwart zu werden: scharf, aber zukunftslos.
Vor diesem Hintergrund stellen sich zwei dringliche Fragen:
Wie werden Utopien denkbarer? Wie kommen wir Utopien und Idealen tatsächlich näher?
Wie lassen sich also gerechtere, solidarischere, friedlichere Formen des Zusammenlebens nicht nur denken, sondern im Hier und Jetzt erproben? Wie sieht eine solche Zukunft aus – und wie fühlt sie sich an, individuell wie kollektiv?
Antworten auf diese Fragen entstehen nicht allein im Rückzug ins Theoretische. Sie entstehen dort, wo Denken auf Erfahrung trifft, wo Sprache, Erzählung und gelebte Praxis ineinandergreifen. Das Gesprächsformat UTOPIA TALKS setzt genau an diesen Schnittstellen an. Es verschiebt den Fokus vom bloßen Analysieren hin zum konstruktiven Entwerfen, Erzählen und gemeinsamen Nachdenken über mögliche, wünschenswerte Zukünfte. Im Zentrum stehen Menschen, Kollektive, Orte und Praktiken, in denen Alternativen bereits heute gelebt werden – was der Soziologe Erik Olin Wright als “reale Utopie” beschreibt: nicht perfekt, nicht abgeschlossen, aber konkret, erfahrbar und wirksam.
Um solche Prozesse sichtbar und zugänglich zu machen, braucht es Räume, in denen Denken nicht nur formuliert, sondern geteilt, verhandelt und sinnlich erfahrbar wird. Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und „die“ Zukunft nicht als fertiger Entwurf, sondern als gemeinsamer Suchprozess verstanden wird. UTOPIA TALKS versteht Literatur, Gespräch und künstlerische Praxis als solche Räume, in denen gesellschaftliche Imagination nicht nur verhandelt, sondern gemeinsam erweitert wird. Die Utopia Talks sollen nicht nur unterhalten oder zum Nachdenken bringen, sondern eine Denkweise etablieren:
Unser Auge für reale Utopien schärfen,
begleitet von den wichtigsten kritischen Denker*innen unserer Zeit.
DAS FORMAT
UTOPIA TALKS ist ein kuratiertes Gesprächsformat, das Literatur, politisches Denken, Kunst und gelebte Praxis miteinander verbindet.
Im Mittelpunkt steht jeweils ein moderiertes Gespräch mit einer Gästin oder einem Gast, die oder der den Mut aufbringt, widerständig zu denken, zu schreiben und zu leben.
Das Gespräch beginnt mit der kritischen Arbeit der eingeladenen Person, wie aber auch dem Formulieren des Stattdessen/Otherwise: dem Versuch also, aus der Kritik Utopien zu formulieren.
Jede eingeladene Person bringt zudem drei Beispiele einer (wie oben definierten) »realen Utopie« mit: a: ein historisches Beispiel b: ein gegenwärtiges aus der Welt und c: ein lokales Beispiel (je nachdem, an welchem Ort das Format stattfindet). Diese werden nicht nur beschrieben, sondern erzählerisch, visuell oder performativ erfahrbar gemacht – etwa durch Film, Musik, Fotografie, Texte, Lyrik, szenische Elemente oder gar einem Gespräch mit geladenen Aktiven aus dem jeweiligen (häufig lokalen) Beispiel.
RAHMEN
Das Konzept ist eingebettet in ein Community-orientiertes Verständnis des Zusammenkommens. Gastfreundschaft wird dabei nicht nur als Rahmenbedingung verstanden, sondern als politische und relationale Praxis: als Einladung Raum zu teilen, Wissen zirkulieren zu lassen und bestehende Hierarchien temporär zu verschieben.
Im Thalia Theater konkretisierte sich dieses Verständnis durch das Servieren von Tee, Nüssen und Kolonya — als kuratierte Gesten des Willkommens und der Fürsorge. Dieses Element ist allerdings als übertragbares Prinzip zu verstehen. Abhängig von Ort, Kontext und beteiligten Communities sollen und können jeweils andere, passende Formen der Gastfreundschaft gefunden und erprobt werden.
Das Gespräch verschränkt sich also mit:
künstlerischen Interventionen
kuratiertem Mingling
musikalischer Begleitung
sowie einer bewussten, offenen Atmosphäre, die Austausch ermöglicht
UTOPIA TALKS ist über ein klassisches Podium hinaus ein temporäres Denk- und Erfahrungslabor.
UTOPIA TALKS IM THALIA THEATER
Das Format UTOPIA TALKS wurde seit Januar 2024 als Gesprächsreihe im Thalia Theater in Hamburg realisiert.
Die multimodale Bühne in der obersten Etage des Thalia Theaters, das Nachtasyl, verwandelte sich an jedem Abend in ein Creative Lab, in dem internationale und lokale Stimmen gemeinsam mit dem Publikum über konkrete Utopien, Sehnsüchte und Zukunftsentwürfe ins Gespräch kamen. Die Abende waren geprägt von einer offenen Gesprächssituation mit inhaltlicher Tiefe und künstlerischer Kreativität und ohne klassische Podiumsdistanz, so dass Publikum und Bühne als gemeinsamer Denkraum verstanden werden.
Alle bisher durchgeführten Abende waren Wochen im Voraus ausverkauft. Die Resonanz zeigte sich in einer außergewöhnlichen aktiven Publikumsbeteiligung sowie in anhaltenden Gesprächen und inhaltlichen Rückmeldungen über die Abende hinaus.
Die erfolgreiche Umsetzung an einem der renommiertesten Theaterhäuser Deutschlands zeigt: UTOPIA TALKS ist kein experimenteller Entwurf, sondern ein erprobtes, tragfähiges Format, das in unterschiedlichen Kontexten funktioniert und adaptiert werden kann.
DRAMATURGIE & INHALTLICHER ANSATZ
Inhaltlich verbindet UTOPIA TALKS drei Ebenen:
Analyse und Gegenwartsdiagnose: Der Ausgangspunkt der Gespräche ist die kritische Auseinandersetzung mit bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen.
Konstruktion von Alternativen: Im Zentrum stehen aber nicht Defizite, sondern Möglichkeiten, das heißt konkrete Versuche anders zu leben, zu arbeiten, zu organisieren, zu schreiben oder zu gestalten
Imagination & Erfahrung: Durch künstlerische Mittel werden diese Alternativen sinnlich erfahrbar gemacht – nicht als fertige Lösungen, sondern als Einladung zum Weiterdenken
Diese Dramaturgie hat sich in der Praxis als besonders wirkungsvoll erwiesen: Sie verbindet intellektuelle Tiefe mit Zugänglichkeit und ermöglicht es einem breiten Publikum, sich aktiv mit komplexen Zukunftsfragen auseinanderzusetzen.
MODULARER WERKZEUGKASTEN
Ziel ist es dieses bewährte Format nun bewusst als mobiles und modulares Format für Literaturfestivals weiterzuentwickeln.
Statt eines starren Bühnenkonzepts versteht sich UT als Werkzeugkasten, dessen einzelne Elemente je nach Festival, Ort, Publikum und zeitlichem Rahmen unterschiedlich zusammengesetzt werden kann. Das Format kann:
für ein kleines und intimes oder ein großes Publikum
kurz oder (abendfüllend, bis tief in die Nacht)
stärker dialogisch oder stärker performativ
lokal fokussiert oder international ausgerichtet
vielfältig künstlerisch oder konzentriert fachlich
auf Bühnen oder in Salons, Clubs, Bars oder in Parks
realisiert werden.
Diese Modularität ermöglicht:
Anpassung an unterschiedliche Spielorte und technische Voraussetzungen
Integration lokaler Autor:innen, Künstler:innen oder Initiativen
Kombination mit bestehenden Programmpunkten eines Festivals
UT bewahrt dabei seine inhaltliche Haltung und dramaturgische Klarheit, während Form, Umfang und Setzung flexibel an unterschiedliche Festivalformate und -orte angepasst werden können.
INTERNATIONALES NETZWERK — KURATORISCHE UND PROGRAMMATISCHE AUSRICHTUNG
UTOPIA TALKS baut auf einem breiten internationalen Netzwerk aus Autor:innen, Intellektuellen, Künstler:innen und gesellschaftlichen Akteur:innen auf. Dieses Netzwerk ermöglicht Zugang zu internationalen Stimmen mit Renommé aus unterschiedlichen kulturellen und politischen Kontexten - jenseits kurzfristiger Verfügbarkeiten oder lokaler Begrenzungen.
Für Festivals bedeutet das:
kuratorische Sicherheit
internationale Strahlkraft
inhaltliche Vielfalt bei gleichbleibender Tiefe
Eine Auswahl bisheriger und potenzieller Gesprächspartner:innen wird dem Konzept als Anhang beigefügt.
MEHRWERT
Aus der Verbindung von inhaltlicher Tiefe, erprobter Dramaturgie und modularer Umsetzbarkeit ergibt sich ein klarer Mehrwert für alle Beteiligten. UTOPIA TALKS ist zugleich diskursiv anspruchsvoll und zugänglich, lokal anschlussfähig und international geöffnet. Daraus entstehen unterschiedliche, aber aufeinander bezogene Nutzen für Festivals, Publikum sowie für fördernde und unterstützende Partner.
Für Literaturfestivals
ein erprobtes, hochwertiges Gesprächsformat
thematische Anschlussfähigkeit an aktuelle gesellschaftliche Debatten
hohe Publikumsattraktivität und Dialogorientierung
flexible Einbindung in unterschiedliche Programmstrukturen
Für das Publikum
Begegnungen mit starken relevanten Stimmen
Komplexe Inhalte in zugänglicher, sinnlicher Form
Räume für Austausch, Imagination und Beteiligung
Für Sponsoren & Partner
Assoziation mit einem international ausgerichteten, gesellschaftlich relevanten Format
hohe Glaubwürdigkeit durch inhaltliche Substanz und erprobte Umsetzung
skalierbare Sichtbarkeit ohne platte Markeninszenierung
AUSBLICK
UTOPIA TALKS versteht sich nicht nur als Gesprächsformat, sondern als tranformative, kulturelle Praxis in einer Zeit tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Verschiebungen. Weltweit erstarken autoritäre, nationalistische und offen antidemokratische Bewegungen. Vereinfachende Erzählungen, Ressentiments und die gezielte Verengung von Sprache und Denken prägen zunehmend den öffentlichen Diskurs. Die Folgen dieser Entwicklungen sind nicht abstrakt: Sie betreffen reale Menschen, reale Körper, reale Lebensmöglichkeiten.
Gerade in solchen Zeiten kommt Literatur, Kunst und öffentlichem Gespräch eine besondere Verantwortung zu. Nicht als moralische Instanz, sondern als Raum, in dem Komplexität ausgehalten, Ambivalenzen benannt und alternative Zukünfte überhaupt erst vorstellbar werden. Denn autoritäre Bewegungen operieren nicht zuletzt durch die Verarmung von Sprache und Imagination. Wo Zukunft nur noch als Bedrohung erscheint, verengt sich auch der Möglichkeitsraum des Politischen.
UTOPIA TALKS setzt diesem Trend bewusst etwas entgegen. Das Format öffnet Räume, in denen Denken nicht vereinfacht, sondern vertieft wird; in denen Widerspruch, Zweifel und Suche nicht als Defizit gelten, sondern als produktive Reibungsflächen — Frictions — demokratischer Praxis. Indem reale Utopien sichtbar gemacht werden, verschiebt sich der Blick von der vermeintlichen Alternativlosigkeit hin zu konkreten Handlungsspielräumen.
In diesem Sinne versteht sich UTOPIA TALKS als Beitrag zu einer offenen, pluralen und solidarischen Gesellschaft. Ziel ist es, durch gemeinsames Forschen, Diskutieren und Erzählen die Zukunft wieder als gestaltbar zu begreifen — und zu gestalten. Literaturfestivals werden so zu Orten, an denen nicht nur Gegenwart verhandelt, sondern demokratische Interaktion aktiv verteidigt und weiterentwickelt wird.
VOL 1 : Transformation und Nachhaltigkeit mit Maja Göpel
Das 'Mar Menor' in Spanien ist das erste Ökosystem Europas dem eigene Persönlichkeitsrechte zugesprochen wurden. Nach jahrzehntelanger ökologischer Degradation durch industrialisierte Landwirtschaft, Urbanisierung und Massentourismus verabschiedete das spanische Parlament 2022 ein Gesetz, das der Lagune eine eigene Rechtspersönlichkeit verleiht und ihre Interessen rechtlich einklagbar macht.
Die Europäische Union entstand aus dem Versuch, nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs dauerhaften Frieden und wirtschaftliche Stabilität in Europa zu sichern. Mit der gemeinsamen Verwaltung zentraler Wirtschaftsbereiche wurde Kooperation innerhalb bestehender staatlicher Strukturen praktisch erprobt und kann somit als emanzipatorische Vision verstanden werden, die in kleinen Schritten durch Reformen umgesetzt wurde.
Die Initiative für Zirkuläres Wirtschaften 'Circular Owl'
Die Initiative vernetzt Unternehmen, Kommunen, Forschung und Zivilgesellschaft, um bestehende Ressourcenflüsse messbar zu machen und zirkuläre Geschäftsmodelle konkret zu erproben. So wird ökologische Transformation durch institutionelle Kooperationen und praktikable Werkzeuge innerhalb bestehender Wirtschaftsstrukturen vorangetrieben.
Der Verein 'KulturEnergieBunkerAltonaProjekt (KEBAP)'
Der Verein KEBAP entstand aus der zivilgesellschaftlichen Aneignung eines ehemaligen Hochbunkers in Hamburg Altona. Ihre Mission ist es kulturelle Nutzung, erneuerbare Energieerzeugung und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung dauerhaft in einer gemeinsamen Struktur zu verbinden.
Die Genossenschaft 'Wir bauen Zukunft'
Die Initiative 'Wir bauen Zukunft' erprobt auf einem 10ha großen Gelände innovative Modelle für ein nachhaltiges und regeneratives Leben. Sie versteht sich als Reallabor für gesellschaftlichen Wandel und verbindet ökologische Bauweisen, Permakultur, gemeinschaftliches Wohnen und Bildung. So soll nachhaltiges Handeln praktisch erfahrbar gemacht werden und getestet werden wie wir aktiv an der Gestaltung der Zukunft mitwirken können.
VOL 2: Becoming indigenous to place mit Mithu Sanyal
Die Initiative 'Generation Restoration'
Der Verein Generation Restoration ist eine Initiative, die regenerative Lösungen in Flüchtlingscamps und krisenbetroffenen Regionen entwickelt. Gefördert wird der Einsatz von Methoden wie Permakultur, ökologischer Bodenwiederherstellung und Kreislaufwirtschaft, um neben der Verbesserung von Lebensräumen auch soziale Gerechtigkeit und Perspektiven für Menschen zu schaffen. So sollen Camps für Geflüchtete zu starken, selbstbestimmten Gemeinschaften werden und dabei gleichzeitig zur Heilung von Mensch und Natur beitragen.
Der Widerstand der Adivasi gegen den Braunkohleabbau
Die indigene Gemeinschaft der Adivasi in Zentralindien wehrt sich seit Jahrzehnten in einem friedlichen Kampf mit der Organisation von Protesten, Blockaden und rechtlichen Schritten gegen Regierungs- und Unternehmenspläne gegen den Braunkohleabbau auf ihrem angestammten Land. Mit einer Philosophie in welcher der Mensch der Natur gleichgestellt ist, kämpfen sie für mehr Selbstbestimmung und den Schutz der Wälder und Dorfgemeinschaften.
Regenerative Landwirtschaft auf dem Gut Haidehof
Das 'Gut Haidehof' bei Hamburg betreibt seit 2019 eine regenerative Form der Landwirtschaft. Gemüseanbau und Weidewirtschaft werden ohne schwere Maschinen und mit ganzheitlichen Management kombiniert und die Erzeugnisse werden direkt über den Hofladen oder die Versand-Gemüsekiste an Mitglieder vertrieben. Zudem wird durch verschiedene Bildungsformate, wie Führungen, Seminare und Lernlandschaften versucht, kollektiv Wissen zu erwerben und weiterzugeben.
VOL 3: Eine Welt ohne Polizei mit Vanessa E. Thompson
Das Gemeinschaftskonzept Quilombo
Die 'Quilombos' sind selbstverwaltete Gemeinschaften in Brasilien, die von Nachfahren von menschen gegründet wurden, die der Sklaverei entflohen sind und in abgelegenen Gebieten eigene Siedlungen aufgebaut haben. Sie gelten als historische Symbole des Widerstands gegen Unterdrückung und für den Kampf um Anerkennung von Rechten und Land. Heute leben schätzungsweise etwa eine Million Menschen in etwa 5.900 Quilombos, von denen nur ein kleiner Teil offiziell LAndtitel besitzt.
Die autonome Kommune Marinaleda
Marinaleda ist eine kleine selbstverwaltete Gemeinde in Andalusien. Wichtige Entscheidungen über lokale Angelegenheiten werden gemeinsam in allgemeinen Versammlungen getroffen, Land und Ressourcen werden kooperativ verteilt und Landwirtschaft wird in Genossenschaften betrieben. Der Ort wurde in den 1980er Jahren durch Kämpfe und Land und Arbeit umgestaltet und gilt als Beispiel für basisdemokratische und gemeinschatfliche Wirtschafts- und Lebensformen.
Die Initiative 'Defund The Police'
Die Bewegung und Informationsplattform 'Defund the Police' setzt sich dafür ein Mittel aus Polizeibudgets abzuziehen und stattdessen in gemeindebasierte Sicherheits- und Unterstützungsangebote zu investieren, etwa in Gesundheitsversorgung, Wohnraum, soziale Dienste und Gewaltprävention. Mit dem Ziel einer Umverteilung von Ressourcen und Macht weg von traditionellen Polizeistrukturen, hin zu gemeindebasierten Ansätzen für öffentliche Sicherheit, stellt die Initiative Trainings, Organisationshilfen und rechtliche Unterstützung zur Verfügung, um entsprechende Kampagnen und politische Forderungen zu unterstützen.
Die Initiative 'Copwatch Hamburg'
Die Initiative Copwatch Hamburg beobachtet, dokumentiert und veröffentlicht Aktivitäten der Polizei, insbesondere im Zusammenhang mit Kontrollen, die als diskriminierend eingestuft werden, um Betroffene von rassistischer Polizeipraxis zu unterstützen. Mit solidarischen Veranstaltungen, Workshops und Informationsangeboten soll über diskriminierendes Polizeiverhalten aufgeklärt werden und die Gefahr der Stigmatisierung von öffentlichen Räumen und Communities für Betroffene sichtbar gemacht werden.
VOL 4: Eine alternative Definition von Zeit mit Theresa Bücker
Der genossenschaftliche Gebäudekomplex 'Le Familistère'
Das Familistère de Guise ist ein historischer Wohn- und Arbeitskomplex in Frankreich, der von dem Industriellen Jean-Baptise André Godin ab 1859 nach den Ideen des Frühsozialisten Charles Fourier errichtet wurde, um Arbeiterfamilien gemeinsam mit sozialen Einrichtungen unterzubringen. Der Komplex kombinierte Wohnblöcke mit Gemeinschaftseinrichtungen wie Theater, Schule, Waschräumen und Gärten und war mit genossenschaftlicher Beteiligung der Bewohner und Arbeiter konzipiert.
Das Konzept der TimeBank beschreibt ein Netzwerk, in dem Menschen Stunden miteinander tauschen können, statt Geld zu verwenden und also für 'Dienstleistungen' zu bezahlen. Jede Stunde Hilfe, die ein Mitglied einer anderen Person gibt, wird auf dem Zeitkonto gutgeschrieben und kann später für eine Stunde Hilfe durch ein anderes Mitglied ausgegeben werden. Jede Stunde zählt gleich in diesem System, unabhängig davon, welche Art von Dienstleistung erbracht wird. Die entstehende Vernetzung und Ressourcenumverteilung fördert so nachhaltig gemeinschaftliche Strukturen.
Die Philosophie der 4-in-1-Perspektive von Frigga Haug
Die 4-in-1-Perspektive von Frigga Haug betrachtet Erwerbsarbeit, Sorgearbeit, kulturelle Entwicklung und politische Teilhabe als gleichwertige und miteinander verbundene Bereiche menschlicher Tätigkeit. Sie zielt darauf ab Arbeit und gesellschaftliche Verantwortung gerechter zu verteilen und Teilhabe, Selbstverwirklichung sowie demokratische Mitgestaltung zu fördern. Gleichzeitig soll sie das bestehende Zeitregime und die soziale Ordnung jenseits klassischer Erwerbsarbeit hinterfragen.
Der Zuhörkiosk ist ein offenes, ehrenamtlich getragenes Gesprächsangebot in der Hamburger U-Bahn-Station Emilienstraße, bei dem Menschen kostenlos und vertraulich ein offenes Ohr für Gesprächsanliegen finden, die sie sonst nicht teilen können. Dabei geht es nicht um professionelle Beratung oder Therapie, es geht allein darum sich mitteilen zu können.
Die Initiative 'Hamburg testet Grundeinkommen'
Die parteiunabhängige Volksintitiative 'Hamburg testet Grundeinkommen' hat versucht in Hamburg einen staatlich finanzierten Modellversuch für ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. 2.000 zufällig ausgewälte Hamburgerinnen und Hamburger sollten über drei Jahre ein Grundeinkommen erhalten, um Auswirkungen, Akzeptanz und Umsetzbarkeit praktisch zu erforschen. Auch wenn der Modellversuch letztlich nicht umgesetzt wurde, hat die Initiative mit rund 96.000 gesammelten Unterschriften das hohe Interesse der Bevölkerung an diesem Thema sichtbar gemacht und so eine widerstandfähige Grundlage für zukünftige Diskussionen gesetzt.
VOL 5: Investigativer Journalismus mit Nadia Zaboura
Whistleblowing: Der Fall Chelsea Manning
Die ehemalige US-Army-Analystin Chelsea Manning hat 2010 eine große Menge geheimer US-militärischer und diplomatischer Dokumente an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben, darunter Berichte und Videos aus dem Irak- und Afghanistan-Konflikt. Mit ihrem Leak machte sie Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbechen in militärischen Einsätzen der US-Army für die große Öffentlichkeit sichtbar und löste weltweite Debatten aus.
Die investigative Rechercheagentur 'Forensic Architecture'
Die interdisziplinäre Forschungsagentur 'Forensic Architecture' nutzt architektonische, digitale und forensische Methoden, um Vorfälle von staatlicher oder wirtschaftlicher Gewalt und Menschenrechtsverletzungen räumlich und zeitlich zu rekonstruieren und zu dokumentieren. Sie kombiniert offene Quellen, Zeugenaussagen, Satellitendaten und 3D-Modelle, um komplexe Sachverhalte nachvollziehbar aufzuarbeiten und unterstützt so Gemeinschaften und zivilgesellschaftliche Akteure bei der Aufklärung von Vorfällen weltweit.
Die Transparenz- und Informationsfreiheitsplattform 'Frag den Staat'
Die Online-Plattform 'Frag den Staat' unterstützt Menschen dabei Anfragen nach den Informationsfreiheitsgesetzen an Behörden zu stellen und entsprechende Dokumente anzufordern. Antworten werden dabei öffentlich dokumentiert und für alle einsehbar gemacht. Sie fordert so stellvertretend staatliche Transparenz und den freien Zugang zu staatlichen Informationen.
Die Initiative 'Tag der offenen Gesellschaft'
Der 'Tag der offenen Gesellschaft' ist ein jährlich am dritten Samstag im Juni stattfindender Aktionstag, bei dem Menschen in der Öffentlichkeit zusammenzukommen, um miteinander in den Dialog zu treten. Jede vorbeikommende Person ist eingeladen sich zu setzen und teilzunehmen. Das Ziel ist es Austausch, gegenseitiges Verständnis und das Aushalten von Unterschieden zu stärken und gesellschaftliche Vielfalt und Offenheit erlebbar zu machen.
GEFÖRDERT DURCH
Mit Dank an Julia Lochte (Chefdramaturgin Thalia Theater 2015/16 – 2024/25) für die dramaturgische Begleitung und Helena Sattler für die Recherchearbeit bei der Durchführung der ersten Gesprächsreihe von Utopia Talks am Thalia Theater.
Sie ist Autorin des Bestsellers »Sprache & Sein«, Moderatorin der Gesprächsreihe »Utopia Talks« am Thalia Theater in Hamburg, sowie Initiatorin zahlreicher Kampagnen und Vereine – u.a. des feministischen Co-Creation Spaces eeden in Hamburg, das 2019 von der Bundesregierung als »Kultur- und Kreativpiloten« ausgezeichnet wurde, der feministischen Research- und Advocacy-Organisation future_s oder des feministischen Bündnisses #ausnahmslos, das 2016 mit den Clara Zetkin Frauenpreis ausgezeichnet wurde. Ihr Blog ein-fremdwoerterbuch.com wurde 2011 für den Grimme Online Award nominiert. Das Forbes Magazine zählte sie 2018 zu den Top 30 under 30 in Europa. 2021 war sie Stipendiatin der Deutschen Kulturstiftung Tarabya. 2022/3 war sie als Senior Fellow der Mercator Stiftung am Centre for Research for Research in Arts, Humanities and Social Sciences (CRASSH), am Leverhulme Centre for the Future of Intelligence und als Visiting Fellow am Jesus College an der University of Cambridge. 2023/4 Fellow am The New Institute in Hamburg und seit 2026 Fellow am DFG Kolleg »Zukünfte der Nachhaltigkeit« und befasst sich mit alternativen Zukünften, realen Utopien und der Politik der Imaginationen. Hierzu leitet sie ein künstlerisches Kollektiv »The Imagination Agency«, mit denen sie alternative Techniken und Methoden des politischen Imaginierens erprobt.
Für weitere Informationen: Website.
Sie studierte Kulturmanagement und Dramaturgie im Master an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Von der Spielzeit 2023/24 bis zu Spielzeit 2024/2025 arbeitete sie zunächst als Dramaturgieassistentin, dann als Jung-Dramaturgin am Thalia Theater in Hamburg. Aktuell arbeitet sie als freie Dramaturgin, Choreographin und Projektleiterin und geht im Sommer 2026 fest in die Dramaturgie des Düsseldorfer Schauspielhauses. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Beschäftigung mit der politischen Verantwortbarkeit von Kunst und die Frage inwiefern künstlerisches Handeln per se als politische Praxis verstanden werden muss.